XXXVII. DGKJP Kongress 2022
DGKJP virtuell | Fort- und Weiterbildungsreihe

DGKJP virtuell | Fort- und Weiterbildungsreihe

Die Pandemie hat uns alle auf unterschiedliche Art herausgefordert und wird uns auch zukünftig beschäftigen. Die immensen, auch positiven, Veränderungen in Bezug auf Online-Veranstaltungen möchten auch wir als DGKJP nutzen. Wenngleich Online-Veranstaltungen nicht in jedem Fall Ersatz für Veranstaltungen in Präsenz sind, wie z.B. Kongresse, so bieten sie doch die Möglichkeit, breit Interessierte anzusprechen. Die DGKJP bietet deshalb eine online-basierte Fort- und Weiterbildungsveranstaltungsreihe an, in der aktuelle Informationen zu häufigen Krankheitsbildern sowie wichtigen Gesetzen vermittelt werden. 

Sie haben die Gelegenheit, ausgewiesenen Expert*innen zu lauschen und mit ihnen online zu diskutieren. Die DGKJP möchte damit wissenschaftliche Fortbildungsveranstaltungen auf hohem Niveau einem breiten Publikum zugänglich machen, und damit auch in Kongress-freien Zeiten aktuelle Angebote der Fort- und Weiterbildung für die Mitglieder verfügbar machen.

Sie sind herzlich eingeladen, an der Fort- und Weiterbildungsreihe „DGKJP virtuell“ teilzunehmen und mit unseren Expert*innen zu diskutieren. Die Teilnahme ist kostenfrei und richtet sich an Mitglieder sowie alle am Fachgebiet Interessierten. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Die Veranstaltungsreihe ist nicht CME-zertifiziert.

Aktuelle Online-Veranstaltungen

Mittwoch, 14.12.2022 | 16:00 - 17:30 Uhr
Prof. Dr. Tanja Legenbauer - Depressionsbehandlung heute: Altbewährtes und innovative Ansätze

Prof. Dr. habil. Tanja Legenbauer, Studium der Psychologie (Frankfurt, Marburg), Promotion (Trier, 2002), Habilitation (Mainz, 2010). Approbation zur Psycholog. Psychotherapeutin (2002) mit Fachkundeerweiterung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (2021). Seit 2011 Leiterin der Forschungsabteilung und seit 2014 Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LWL Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Ruhr-Universität Bochum. Preisträgerin Christina Barz-Forschungspreis (2019). Vorstandsmitglied der DGKJP (seit 2022). Forschungsschwerpunkte: Ess- und Körperbildstörungen, Depression und Selbstregulation, Entwicklung u. Evaluation von Behandlungskonzepten bei den genannten Störungsbereichen.

Depressive Erkrankungen sind auch im Kindes- und Jugendalter weit verbreitet und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Zudem gehen sie mit einem hohen Risiko der Chronifizierung einher. Problematisch ist, dass depressive Symptome stellenweise nicht frühzeitig erkannt werden, da diese gerade bei jüngeren Kindern nicht dem gängigen Bild entsprechen oder im Jugendalter nicht immer einfach von alterstypischem Verhalten zu unterscheiden sind.

Bereits vor Corona waren depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt. In der Pandemie sind die Zahlen auch für depressive Störungen weiter gestiegen.

Zur Behandlung der depressiven Störung im Kindes- und Jugendalter gibt es effektive Behandlungen: Gemäß der Leitlinien gelten Psychotherapie als auch pharmakologische Ansätze oder - je nach Schweregrad - deren Kombination als primäre Behandlungsstrategien. Die bewährten Behandlungsangebote gelten als wirksam, allerdings hat sich die Wirksamkeit trotz vieler Forschungsbemühungen nicht verbessert und ein Teil der Betroffenen kann nicht ausreichend von den angebotenen Therapien profitieren. Die Frage, wer von welcher Behandlung profitiert, bleibt weiter offen. Auch ist unklar, wann und wie ergänzende Behandlungsansätze wie Lichttherapie, Sport oder spezifische Ernährungsansätze eingesetzt werden könnten. Der Vortrag soll einen Überblick über die bewährten Behandlungsansätze vermitteln, neue Behandlungsstrategien erläutern und deren Anwendungsmöglichkeiten anhand der aktuellen Forschungslage beleuchten.

Haben Sie eine Frage?

Wichtiger Bestandteil der virtuellen Fort- und Veranstaltungsreihe sind die Fragen und Diskussionsbeiträge der Zuschauer*innen. Stellen Sie bereits jetzt Ihre Frage(n) an zum Thema "Depressionsbehandlung heute". Das Q&A Modul wird auch während der Live-Veranstaltung zur Verfügung stehen. 

Save-the-Date | Fort- und Weiterbildungsreihe 2023

Freiheitsentziehende Maßnahmen in der KJP: Rechtliche Grundlagen, Prävention und Anwendung
Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann | 22.03.2023 | 16:00 - 17:30 Uhr

Aktuelle Aspekte zur Diagnostik, Ursachen, Prävention und Behandlung der Lese- und/oder Rechtschreibstörung
Prof. Dr. Gerd Schulte-Körner | 19.04.2023 | 16:00 - 17:30 Uhr

Die Aufhebung der hormonellen Anpassung an den Hungerzustand als zentrales Ziel der Therapie der Anorexia nervosa?
Prof. Dr. Johannes Hebebrand | 10.05.2023 | 16:00 - 17:30 Uhr

Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter: Aktuelle Paradigmenwechsel, ethische Maßgaben und Behandlungsempfehlungen
Prof. Dr. Georg Romer | 20.09.2023 | 16:00 - 17:30 Uhr

Gefangen in virtuellen Welten: Internetbezogene Störungen bei Kindern und Jugendlichen
Prof. Dr. Rainer Thomasius | 13.12.2023 | 16:00 - 17:30 Uhr

Vergangene Online-Veranstaltungen

Mittwoch, 16.11.2022
Prof. Dr. Dr. Banaschewski - Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen - ein Update

Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski ist seit 2006 Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters und Professor an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Seit 2014 ist er Stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, seit 2015 Vorsitzender des European Network for Hyperkinetic Disorders (EUNEHYDIS). Von 2015 bis 2017 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Derzeit koordiniert er u.a. das multizentrische BMBF-Projekt ESCAlife zur Optimierung einer individualisierten, modalisierten Behandlungsstrategie für Patienten mit ADHS.

 

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer Prävalenz von etwa 5 % eine häufige, früh beginnende und oft persistente Entwicklungsstörung in Kindheit und Adoleszenz.

Etwa 75 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen entwickeln eine komorbide Störung, welche die Diagnostik erschwert, die Therapie verkompliziert und die Prognose verschlechtert. Die Ätiologie ist komplex, heterogen, mit hohem genetischen Einfluss und vielfältigen neurobiologischen Alterationen. Pränatale Umwelteinflüsse scheinen zudem das Risiko für ADHS zu erhöhen. Therapiebausteine sind Psychoedukation, Verhaltenstherapie und/oder Psychopharmakotherapie. Die individuelle Indikationsstellung für therapeutische Interventionen wird beeinflusst von Schweregrad, Komorbidität, vorherigen Therapieversuchen sowie familiären, sozialen und pädagogischen Rahmenbedingungen. Der Vortrag gibt ein Update und diskutiert verschiedene kontroverse Aspekte der Konzeptualisierung der ADHS und die damit zusammenhängenden wissenschaftlichen, klinischen und gesellschaftlichen Konsequenzen.

Mittwoch, 19.10.2022
Prof. Dr. Jörg Fegert - Schutzkonzepte in Kliniken

Prof. Dr. Jörg M. Fegert ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm, Past-Präsident und Kongresspräsident (Ulm 2017) der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und Vorstandsmitglied (Leiter der Policy Division) und President Elect (2023-2027) der europäischen Fachgesellschaft European Society for Child and Adolescent Psychiatry (ESCAP). Er ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Mitglied im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Er ist darüber hinaus Vorstandsmitglied der Aktion Psychisch Kranke e.V. (APK), Präsident der Deutschen Traumastiftung e.V., Sprecher des Zentrums für Traumaforschung und Mitglied im Deutschen Komitee für UNICEF e.V. Zudem ist er Leiter des Kompetenzzentrums Kinderschutz in der Medizin in Baden-Württemberg sowie des Kompetenzbereichs Prävention Psychische Gesundheit im Kompetenznetzwerk Präventivmedizin Baden-Württemberg. 

Seit dem Sommersemester 2020 hat Prof. Dr. Fegert eine Gastprofessur an den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel inne.. Er ist European Editor des Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology (www.liebertpub.com/cap) und war bis 2021 Editor-in-Chief des von ihm mit gegründeten Online Journals Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health (CAPMH) (www.capmh.com). 

Prof. Dr. Fegerts Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in den Themenbereichen Vernachlässigung, Misshandlung, sexueller Missbrauch, Frühe Hilfen, psychosomatische Störungen im Kindes- und Jugendalter, Verhältnis Jugendhilfe/Jugendpsychiatrie und in anderen sozialrechtlichen sowie forensischen Fragen. Seine Klinik verfügt über einen eigenen Schwerpunkt E-Learning und Dissemination insbesondere im Bereich des Kinderschutzes und der Traumaforschung.

Bekannt gewordene Fälle von (sexuellen) Übergriffen in Institutionen sowie die Ergebnisse von Befragungen zeigen, dass diese Thematik auch im medizinisch-therapeutischen Bereich eine Rolle spielt. Bei genauerer Betrachtung der Fälle wird deutlich, dass es im Kontext von Krankenbehandlung systemische Gefährdungsfaktoren für (sexuelle) Übergriffe gibt. Es ist deshalb wichtig, dass sich medizinische Einrichtungen mit dieser Problematik auseinandersetzen und Schutzkonzepte entwickeln. Ein Schutzkonzept ist ein System von Maßnahmen, die für einen besseren Schutz vor (sexuellen) Übergriffen in der Organisation sorgen. Auch wenn die Entwicklung von Schutzkonzepten Zeit und Ressourcen benötigt, bringt sie für Institutionen viele Vorteile, wie zum Beispiel ein erhöhtes Sicherheitsgefühl für die Fachkräfte, weil diese somit wissen, wie im konkreten Fall vorgegangen werden muss.  

Die Auseinandersetzung mit solchen Fällen sowie die Entwicklung von Schutzkonzepten war in den Institutionen des medizinisch-therapeutischen Bereiches über lange Zeit ein eher marginalisiertes Thema. Mit der Verankerung der Verpflichtung zur Erstellung von Schutzkonzepten in der Qualitätsmanagement-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) müssen sich jedoch nun alle Kliniken und Praxen dieser Thematik stellen. 

Der Vortrag gibt einen Überblick auf mögliche Gefährdungsfaktoren und Risikosituationen im medizinisch-therapeutischen Bereich, stellt Struktur und Elemente von Schutzkonzepten vor und gibt Hinweise zur praktischen Umsetzung. Im Fokus stehen hierbei die Elemente, die der G-BA in der Qualitätsmanagement-Richtlinie vorgibt. 

Mittwoch, 21.09.2022
Prof. Dr. Michael Kölch - SGB VIII

Prof. Dr. Michael Kölch ist Lehrstuhlinhaber für Kinder- und Jugendpsychiatrie und ‑psychotherapie an der Universität Rostock und Direktor der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter der Universitätsmedizin Rostock. Er ist der aktuelle Präsident der DGKJP und Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission Jugendhilfe, Arbeit, Soziales und Inklusion der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgesellschaft und Fachverbände.

Seine Arbeitsschwerpunkte sind affektive Störungen bei Minderjährigen, Störung des Sozialverhaltens/psychisch kranke Kinder in der Jugendhilfe, Hochrisikopopulationen für psychische Störungen wie Kinder aus psychisch belasteten Familien und die Kooperation von KJP und Jugendhilfe, sowie Psychopharmakotherapie und Psychopharmakoepidemiologie bei Minderjährigen, forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie und ethische und rechtliche Fragestellungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Prof. Kölch ist Vorstandsmitglied der BAG kjpp, Mitglied in der AGNP, APK, der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry (AACAP), im European College of Neuropsychopharmacology (ECNP), Mitglied der Kinderarzneimittelkommission beim BfArM, sowie Mitglied des Vorstandes der Stiftung „Achtung! Kinderseele“. Er ist im Beirat des DIfU (Bund trifft kommunale Praxis) im Rahmen des SGB VIII.

Im letzten Jahr trat mit dem Kinder- und Jugendhilfestärkungsgesetz (KJSG) die Reform des SGB VIII in Kraft. Über die Reform war viele Jahre diskutiert worden. Am Reformprozess war die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie beteiligt.

Die Reform stellt einen großen Schritt auf dem Weg zu einer „inklusiven Lösung“ dar, nämlich der Zusammenführung der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche unter einem Dach. Dieser Teil der Reform ist sicherlich der umfassendste und die diesbezüglichen Regelungen werden auch die Kooperation von Kinder- und Jugendpsychiatrie und Kinder- und Jugendhilfe im nächsten Jahrzehnt mit berühren. Neben diesem Aspekt beinhaltet das KJSG aber auch viele andere Regelungen, die z.B. Familien mit psychischen Erkrankungen betreffen, den Kinderschutz sowie Aspekte zu möglichen „Pool“-Lösungen bei Hilfen zur Erziehung.

Im Vortrag sollen die wichtigsten Änderungen im Rahmen der SGB VIII Reform vorgestellt werden und Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgezeigt werden bzw. dargelegt werden, inwieweit auch unsere Patient:innen von den Neuregelungen profitieren können.

Mittwoch, 20.07.2022 
Prof. Dr. med. Rainer Thomasius - Substanzbezogene Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Prof. Dr. med. Rainer Thomasius ist der Ärztliche Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Er ist Vorsitzender der Gemeinsamen Suchtkommission der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgesellschaft und Verbände (DGKJP, BAG KJPP, BKJPP), Past-President der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) und Mitautor der S3-Leitlinien Tabak-, Alkohol- und Medikamentenbezogene Störungen sowie Koordinator der S3- Leitlinie Cannabisbezogene Störungen. Aktuell leitet er im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunktes „Kinder- und Jugendgesundheit“ den Forschungsverbund “IMAC-Mind: Improving Mental Health and Reducing Addiction in Childhood and Adolescence through Mindfulness: Mechanisms, Prevention and Treatment” sowie den vom G-BA Innovationsfonds geförderten Verbund „Res@t - Ressourcenstärkendes Adoleszenten- und Eltern-Training bei Medienbezogenen Störungen“.

Substanzbezogene Störungen (SUD) gehören zu den häufigen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Die Transmissionsrate in das Erwachsenenalter ist hoch. SUD gehen bereits im Kindes- und Jugendalter mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen, nachhaltigen Störungen der altersgebundenen Entwicklungs- und Veränderungsprozesse, Schulversagen sowie sozialer Desintegration der Betroffenen einher. Der Bedarf an früh ansetzenden präventiven und therapeutischen Maßnahmen ist entsprechend hoch. Methodisch gut untersuchte Präventionsprogramme beziehen sich vorwiegend auf Alkohol und Tabak und seltener auf Cannabis. Die Effektstärken liegen im kleinen bis mittleren Bereich mit deutlichem Übergewicht an universellen Programmen. Jüngst zeigen individualisierte indizierte Präventionsmaßnahmen günstige Effekte. In der kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Suchtbehandlung weisen Motivationsförderung, Kognitive Verhaltenstherapie, Kontingenzmanagement und Familientherapie neben Fachtherapien, Schulunterricht und berufsorientierenden Maßnahmen erwünschte Effekte auf. In angloamerikanischen Studien sind 20 – 40% der Jugendlichen mit SUD 6 Monate nach Behandlungsbeendigung abstinent. Entsprechende Studien fehlen in Deutschland. Es besteht hoher Bedarf an Therapie- und Versorgungsforschung.

Univ.-Prof. Dr. med. Beate Herpertz-Dahlmann

Mittwoch, 27. April 2022
Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann – Aktuelle Behandlungsaspekte bei der adoleszenten und kindlichen Anorexia nervosa

Prof. Dr. med. Beate Herpertz-Dahlmann ist die Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der RWTH Aachen. Sie forscht bereits seit Jahrzehnten auf dem Gebiet der Essstörungen, vor allem zur kindlichen und adoleszenten Anorexia nervosa und ist Mitautorin der S3-Leitlinie „Essstörungen“. Sie hat die weltweit einzige kontrollierte Studie zur tagesklinischen Behandlung durchgeführt und leitet zurzeit eine ähnlich große Studie zum Vergleich von stationärer bzw. tagesklinischer Behandlung und Home treatment. Ein weiterer Schwerpunkt ist die biologische Forschung bei der AN, wo sie aktuell  eine europäische Studie zur Darm-Gehirn-Achse zusammen mit Herrn PD Dr. Jochen Seitz durchführt.

Die Anorexia nervosa hat eine hohe Chronifizierungsrate und ist die psychische Störung mit der höchsten Mortalität von allen psychischen Erkrankungen. Ihre Inzidenz hat vor allem im Kindesalter, aber auch in der Jugend zugenommen, wozu in jüngster Zeit vor allem die Corona-Pandemie beigetragen hat. Was sind die Gründe dafür?
Die Klassifikation nach ICD-11 soll besprochen und ihre Bedeutung für die klinische Praxis diskutiert werden. Bei der Diagnostik wird auf die Empfehlungen der S3-Leitlinien eingegangen. Der Vortrag stellt neue Ergebnisse aus der Grundlagenforschung, z.B. zu genetischen und immunologischen Befunden und zu Erkenntnissen der Bedeutung der Darm-Gehirn-Interaktion bei der Anorexia nervosa dar, die vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft neue Perspektiven eröffnen können.
Viele Experten aus Klinik und Forschung beklagen in jüngster Zeit den mangelnden Fortschritt bei den Behandlungsmethoden. Aus diesem Grund sollen Hinweise für die Ernährungstherapie, der Festlegung des Zielgewichtes sowie für die psychotherapeutische Behandlung gegeben werden. Wesentlich ist die intensive Einbeziehung der Eltern in die Behandlung. Die deutsche Kinder- und Jugendpsychiatrie hat weltweit eine der längsten stationären Behandlungsdauern, die aber nicht zu besseren Behandlungsergebnissen als in anderen Ländern führt. Es werden daher alternative Behandlungskonzepte wie die tagesklinische Behandlung und das Home treatment aufgezeigt, die aus unserer Sicht effektivere und kostengünstigere Alternativen sind.

Mittwoch, 30. März 2022
Stefanie Ulrich - Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen (Bundesteilhabegesetz - BTHG)

Stefanie Ulrich ist Volljuristin und ganzheitlich-systemische Coachin. Mit ihrer Erfahrung als Justiziarin einer großen Kommunalverwaltung, Schwerpunkt Sozial- und Jugendhilferecht, berät und begleitet sie Träger der freien und öffentlichen Jugendhilfe in Veränderungsprozessen, vorrangig bei der Umsetzung der großen Lösung. Mit ihrer Methode des Constitutional Coachings schult und berät sie bundesweit mit dem Ziel vorhandene Möglichkeiten zu nutzen, Komplexität zu reduzieren und so die fachliche Arbeit in den Fokus zu rücken. Zudem arbeitet Sie leidenschaftlich gern mit Menschen an der Umsetzung von Projekten und ist überzeugte Zukunftsgestalterin (www.stefanie-ulrich-beratung.de).

Das Verfahrensrecht des Bundesteilhabegesetzes ist mit seinem Turbo-Fristen, den Vorgaben zur Trägerkoordination und der Idee Hilfen aus einer Hand zu ermöglichen nun in seinem vierten Jahr angekommen. Der Blick in die Praxis zeigt, dass es an vielen Stellen echte Erfolge gibt, ua auch hinsichtlich der Standardisierung von Bedarfsfeststellung, der Umsetzung echter Personenzentrierung und hinsichtlich des Umdenkens hinein in das bio-psycho-soziale Modell. Hinsichtlich der zeitnahen und abgestimmten Leistungsgewährung eines oder gar mehrerer Rehabilitationsträger sehen wir jedoch allerorts erhebliche Umsetzungs- und Vollzugsdefizite. Ziel dieses Vortrags ist es die Grundlogik des Bundesteilhabegesetzes, die Vorgaben des Teilhabeplanverfahrens und der Trägerkoordination samt dem gelten Fristenregime zu überblicken und zu eruieren, wo Anknüpfungspunkte für die Fachpraxis sind. Daraus ergeben sich dann logische Anschlusspunkte für die geltenden und bevorstehenden Regelungen des KJSG.

Mittwoch, 30. Juni 2021
Prof. Dr. Marcel Romanos – Angststörungen 

Prof. Dr. Marcel Romanos ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg. 

Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes-, Jugend-, sowie Erwachsenenalter. Der Beginn liegt typischerweise im Kindes- und Jugendalter. Die Ausprägung reicht von isolierten phobischen Störungen bis hin zu schweren chronifizierten Formen, die oftmals mit ausgeprägter Komorbidität assoziiert sind. Oftmals vergehen Jahre vom Auftreten erster Symptome bis hin zur Diagnoseerstellung und Therapieinitiierung. Obgleich hoch wirksame Behandlungsoptionen bestehen, verursachen Angststörungen erhebliche psychosoziale und kognitive Folgestörungen sowie direkte und indirekte sozio-ökonomische Kosten. In der DGKJP-Fortbildungsveranstaltung wird der aktuelle Wissensstand zu Ursachen, Verlauf und Therapie von Angststörungen dargestellt. Auf die aktuellen Änderungen im ICD-11 wird eingegangen.

Mittwoch, 8. September 2021
Prof. Dr. Christine M. Freitag – S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter

Prof. Dr. Christine M. Freitag ist Expertin für die Diagnostik und Behandlung von Neuroentwicklungsstörungen (ASS, ADHS, Sprache) sowie Störungen des Sozialverhaltens und Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort ist auch ein Autismus-Therapie- und Forschungszentrum angesiedelt, an dem Diagnostik, Therapie und translationale, klinische Forschung für Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störungen angeboten wird.

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zeigen eine Lebenszeitprävalenz von ca. 1% und gehen mit zahlreichen weiteren psychischen und somatischen Erkrankungen einher. Wesentlich hinsichtlich der Förderung, des Verlaufs sowie der Lebensqualität von Familien und ihren Kindern mit ASS sind eine frühzeitige Diagnose, die indizierte Diagnostik weiterer komorbider psychischer und somatischer Störungen über die Lebensspanne sowie eine gute Interventionsplanung und –umsetzung. Der Vortrag geht deshalb neben einer Einführung in die Diagnostik insbesondere auf die evidenzbasierte Therapie der Kernsymptomatik sowie ausgewählter zusätzlicher Therapieziele (Sprache, komorbide psychische Störungen) ein. Zur individuellen Vorbereitung ist ein Blick in die zugehörigen AWMF-S3-Leitlinien (Teil 1: Diagnostik; Teil 2: Therapie) zu empfehlen, die auf der Homepage der AWMF heruntergeladen werden können.

Mittwoch, 10. November 2021
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza – S3-Leitlinie Zwangsstörungen

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza ist Lehrstuhlinhaberin und Ärztliche Direktorin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Zürich (KJPD). Die Kinder- und Jugendpsychiaterin und Psychologin war zuvor an der Universitätsklinik Würzburg, wo sie nach Ihrer Spezialisierung als Kinder- und Jugendpsychiaterin in leitender Funktion sowohl in Klinik als auch in der Forschung tätig war. Die akademische Nachwuchsförderung ist neben der Klinischen Versorgung eines ihrer wichtigsten Ziele und eine Herzensangelegenheit.

Obwohl Zwangsstörungen schon im Kindes- und Jugendalter zu den häufigsten psychischen Störungen gehören, werden sie oftmals erst sehr spät erkannt. Viel zu häufig kann es daher viele Jahre dauern, bis die Betroffenen professionelle Hilfe aufsuchen. Die Studienlage zeigt deutlich, dass der frühe Behandlungsbeginn einer der wichtigsten positiven prognostischen Faktoren für den unmittelbaren Behandlungserfolg, aber auch für den gesamten Verlauf ist. Leider werden evidenzbasierten Methoden oftmals zu spät und leider bei bis zu 50% der Betroffenen in den ersten Jahren nicht eingesetzt. Die vorliegende S3 Leitlinie soll die Evidenz zu Diagnostik und Therapie von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter anwendergerecht zusammenfassen und dazu beitragen, die Diagnostik und Behandlung von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter nachhaltig zu verbessern. Bei dem Vortrag werden wir neben den wichtigsten klinischen Aspekten der Leitlinie im Besonderen auf die Neuerungen eingehen, wie technikunterstützte Verfahren, Intensivbehandlung oder auch zur Frage der medikamentösen Augmentation Stellung nehmen. Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion und auch über Ideen wie wir die Leitlinie weiter verankern können.

Mittwoch, 8. Dezember 2021
Prof. Dr. Anja Görtz-Dorten – Störungen des Sozialverhaltens

Prof. Dr. Anja Görtz-Dorten leitet gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Christopher Hautmann den Bereich Evaluation im AKiP und ist zudem Leiterin der Forschungsambulanz. Gegenwärtig leitet sie mehrere Forschungsprojekte zur Therapie von Kindern mit aggressiven Verhaltensstörungen und affektiven Dysregulationen. Hinzu kommt ein multizentrisches Projekt zu transdiagnostischen psychischen Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen sowie psychosozialen Risikofaktoren (TRADIA), an dem mehrere Forschungsverbünde aus dem BMBF-Förderschwerpunkt zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen teilnehmen.

Bei den oppositionell-aggressiven Verhaltensstörungen haben sich in den letzten Jahren konzeptionelle Veränderungen durchgesetzt, die auch in die Klassifikationssysteme von ICD-11 und DSM-5 eingegangen sind. Kognitiv-behaviorale Ansätze zählen laut neueren empirischen Studien und Metaanalysen zu den wirksamsten und am besten evaluierten Therapieverfahren bei Störungen des Sozialverhaltens. Modular aufgebaute Therapieprogramme sind entwickelt worden. Randomisierte Kontrollgruppenstudien weisen deren Wirksamkeit nicht nur im Vergleich zu nicht behandelten Kontrollgruppen, sondern auch im Vergleich zu alternativen Interventionen nach. Der Einsatz von digitalen Technologien zur Unterstützung von Therapie steht erst am Anfang; er kann jedoch möglicherweise die Attraktivität der Therapieformen und die Generalisierung von Therapieeffekten unterstützen. Ebenfalls am Anfang steht die Überprüfung der Wirksamkeit der Interventionen in der klinischen Routineversorgung. Einblicke in die praktische therapeutische Umsetzung sowohl von einzelnen Interventionsmodulen und von digitalen Anwendungen werden gegeben. Die evidenz- und konsensbasierten S3-Leitlinien zur Diagnose und Therapie von Störungen des Sozialverhaltens unterstützen die aufgezeigten Entwicklungen. Allerdings stehen Strategien zur Unterstützung der Implementierung dieser Leitlinien und zur Überprüfung ihrer Effekte in der Routineversorgung noch aus. Die Weiterentwicklung der Leitlinie soll als „Living Guideline“ mit jährlicher Prüfung und Fortschreibung erfolgen.