XXXVII. DGKJP Kongress 2022
DGKJP virtuell | Fort- und Weiterbildungsreihe

DGKJP virtuell | Fort- und Weiterbildungsreihe

Die Pandemie hat uns alle auf unterschiedliche Art herausgefordert und wird uns auch zukünftig beschäftigen. Die immensen, auch positiven, Veränderungen in Bezug auf Online-Veranstaltungen möchten auch wir als DGKJP nutzen. Wenngleich Online-Veranstaltungen nicht in jedem Fall Ersatz für Veranstaltungen in Präsenz sind, wie z.B. Kongresse, so bieten sie doch die Möglichkeit, breit Interessierte anzusprechen. Die DGKJP bietet deshalb eine online-basierte Fort- und Weiterbildungsveranstaltungsreihe an, in der aktuelle Informationen zu häufigen Krankheitsbildern sowie wichtigen Gesetzen vermittelt werden. 

Sie haben die Gelegenheit, ausgewiesenen Expert*innen zu lauschen und mit ihnen online zu diskutieren. Die DGKJP möchte damit wissenschaftliche Fortbildungsveranstaltungen auf hohem Niveau einem breiten Publikum zugänglich machen, und damit auch in Kongress-freien Zeiten aktuelle Angebote der Fort- und Weiterbildung für die Mitglieder verfügbar machen.

Sie sind herzlich eingeladen, an der Fort- und Weiterbildungsreihe „DGKJP virtuell“ teilzunehmen und mit unseren Expert*innen zu diskutieren. Die Teilnahme ist kostenfrei und richtet sich an Mitglieder sowie alle am Fachgebiet Interessierten. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

Aktuelle Online-Veranstaltungen

Univ.-Prof. Dr. med. Beate Herpertz-Dahlmann

Mittwoch, 27. April 2022
Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann – Aktuelle Behandlungsaspekte bei der adoleszenten und kindlichen Anorexia nervosa

Prof. Dr. med. Beate Herpertz-Dahlmann ist die Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der RWTH Aachen. Sie forscht bereits seit Jahrzehnten auf dem Gebiet der Essstörungen, vor allem zur kindlichen und adoleszenten Anorexia nervosa und ist Mitautorin der S3-Leitlinie „Essstörungen“. Sie hat die weltweit einzige kontrollierte Studie zur tagesklinischen Behandlung durchgeführt und leitet zurzeit eine ähnlich große Studie zum Vergleich von stationärer bzw. tagesklinischer Behandlung und Home treatment. Ein weiterer Schwerpunkt ist die biologische Forschung bei der AN, wo sie aktuell  eine europäische Studie zur Darm-Gehirn-Achse zusammen mit Herrn PD Dr. Jochen Seitz durchführt.

Die Anorexia nervosa hat eine hohe Chronifizierungsrate und ist die psychische Störung mit der höchsten Mortalität von allen psychischen Erkrankungen. Ihre Inzidenz hat vor allem im Kindesalter, aber auch in der Jugend zugenommen, wozu in jüngster Zeit vor allem die Corona-Pandemie beigetragen hat. Was sind die Gründe dafür?
Die Klassifikation nach ICD-11 soll besprochen und ihre Bedeutung für die klinische Praxis diskutiert werden. Bei der Diagnostik wird auf die Empfehlungen der S3-Leitlinien eingegangen. Der Vortrag stellt neue Ergebnisse aus der Grundlagenforschung, z.B. zu genetischen und immunologischen Befunden und zu Erkenntnissen der Bedeutung der Darm-Gehirn-Interaktion bei der Anorexia nervosa dar, die vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft neue Perspektiven eröffnen können.
Viele Experten aus Klinik und Forschung beklagen in jüngster Zeit den mangelnden Fortschritt bei den Behandlungsmethoden. Aus diesem Grund sollen Hinweise für die Ernährungstherapie, der Festlegung des Zielgewichtes sowie für die psychotherapeutische Behandlung gegeben werden. Wesentlich ist die intensive Einbeziehung der Eltern in die Behandlung. Die deutsche Kinder- und Jugendpsychiatrie hat weltweit eine der längsten stationären Behandlungsdauern, die aber nicht zu besseren Behandlungsergebnissen als in anderen Ländern führt. Es werden daher alternative Behandlungskonzepte wie die tagesklinische Behandlung und das Home treatment aufgezeigt, die aus unserer Sicht effektivere und kostengünstigere Alternativen sind.

Save-the-Date | Fort- und Weiterbildungsreihe wird auch 2022 fortgesetzt

Substanzbezogene Störungen bei Kindern und Jugendlichen
Prof. Dr. Rainer Thomasius | 20.07.2022 | 16:00 – 17:30 Uhr

SGB VIII
Prof. Dr. Michael Kölch | 21.09.2022 | 16:00 – 17:30 Uhr

Schutzkonzepte in Kliniken
Prof. Dr. Jörg Fegert | 19.10.2022 | 16:00 – 17:30 Uhr

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen – ein Update
Prof. Dr. Tobias Banaschewski | 16.11.2022 | 16:00 – 17:30 Uhr

Depressionsbehandlung heute: Altbewährtes und innovative Ansätze
Prof. Dr. Tanja Legenbauer | 14.12.2022 | 16:00 – 17:30 Uhr

Vergangene Online-Veranstaltungen

Mittwoch, 30. März 2022
Stefanie Ulrich - Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen (Bundesteilhabegesetz - BTHG)

Stefanie Ulrich ist Volljuristin und ganzheitlich-systemische Coachin. Mit ihrer Erfahrung als Justiziarin einer großen Kommunalverwaltung, Schwerpunkt Sozial- und Jugendhilferecht, berät und begleitet sie Träger der freien und öffentlichen Jugendhilfe in Veränderungsprozessen, vorrangig bei der Umsetzung der großen Lösung. Mit ihrer Methode des Constitutional Coachings schult und berät sie bundesweit mit dem Ziel vorhandene Möglichkeiten zu nutzen, Komplexität zu reduzieren und so die fachliche Arbeit in den Fokus zu rücken. Zudem arbeitet Sie leidenschaftlich gern mit Menschen an der Umsetzung von Projekten und ist überzeugte Zukunftsgestalterin (www.stefanie-ulrich-beratung.de).

Das Verfahrensrecht des Bundesteilhabegesetzes ist mit seinem Turbo-Fristen, den Vorgaben zur Trägerkoordination und der Idee Hilfen aus einer Hand zu ermöglichen nun in seinem vierten Jahr angekommen. Der Blick in die Praxis zeigt, dass es an vielen Stellen echte Erfolge gibt, ua auch hinsichtlich der Standardisierung von Bedarfsfeststellung, der Umsetzung echter Personenzentrierung und hinsichtlich des Umdenkens hinein in das bio-psycho-soziale Modell. Hinsichtlich der zeitnahen und abgestimmten Leistungsgewährung eines oder gar mehrerer Rehabilitationsträger sehen wir jedoch allerorts erhebliche Umsetzungs- und Vollzugsdefizite. Ziel dieses Vortrags ist es die Grundlogik des Bundesteilhabegesetzes, die Vorgaben des Teilhabeplanverfahrens und der Trägerkoordination samt dem gelten Fristenregime zu überblicken und zu eruieren, wo Anknüpfungspunkte für die Fachpraxis sind. Daraus ergeben sich dann logische Anschlusspunkte für die geltenden und bevorstehenden Regelungen des KJSG.

Mittwoch, 30. Juni 2021
Prof. Dr. Marcel Romanos – Angststörungen 

Prof. Dr. Marcel Romanos ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg. 

Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes-, Jugend-, sowie Erwachsenenalter. Der Beginn liegt typischerweise im Kindes- und Jugendalter. Die Ausprägung reicht von isolierten phobischen Störungen bis hin zu schweren chronifizierten Formen, die oftmals mit ausgeprägter Komorbidität assoziiert sind. Oftmals vergehen Jahre vom Auftreten erster Symptome bis hin zur Diagnoseerstellung und Therapieinitiierung. Obgleich hoch wirksame Behandlungsoptionen bestehen, verursachen Angststörungen erhebliche psychosoziale und kognitive Folgestörungen sowie direkte und indirekte sozio-ökonomische Kosten. In der DGKJP-Fortbildungsveranstaltung wird der aktuelle Wissensstand zu Ursachen, Verlauf und Therapie von Angststörungen dargestellt. Auf die aktuellen Änderungen im ICD-11 wird eingegangen.

Mittwoch, 8. September 2021
Prof. Dr. Christine M. Freitag – S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter

Prof. Dr. Christine M. Freitag ist Expertin für die Diagnostik und Behandlung von Neuroentwicklungsstörungen (ASS, ADHS, Sprache) sowie Störungen des Sozialverhaltens und Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort ist auch ein Autismus-Therapie- und Forschungszentrum angesiedelt, an dem Diagnostik, Therapie und translationale, klinische Forschung für Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störungen angeboten wird.

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zeigen eine Lebenszeitprävalenz von ca. 1% und gehen mit zahlreichen weiteren psychischen und somatischen Erkrankungen einher. Wesentlich hinsichtlich der Förderung, des Verlaufs sowie der Lebensqualität von Familien und ihren Kindern mit ASS sind eine frühzeitige Diagnose, die indizierte Diagnostik weiterer komorbider psychischer und somatischer Störungen über die Lebensspanne sowie eine gute Interventionsplanung und –umsetzung. Der Vortrag geht deshalb neben einer Einführung in die Diagnostik insbesondere auf die evidenzbasierte Therapie der Kernsymptomatik sowie ausgewählter zusätzlicher Therapieziele (Sprache, komorbide psychische Störungen) ein. Zur individuellen Vorbereitung ist ein Blick in die zugehörigen AWMF-S3-Leitlinien (Teil 1: Diagnostik; Teil 2: Therapie) zu empfehlen, die auf der Homepage der AWMF heruntergeladen werden können.

Mittwoch, 10. November 2021
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza – S3-Leitlinie Zwangsstörungen

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza ist Lehrstuhlinhaberin und Ärztliche Direktorin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Zürich (KJPD). Die Kinder- und Jugendpsychiaterin und Psychologin war zuvor an der Universitätsklinik Würzburg, wo sie nach Ihrer Spezialisierung als Kinder- und Jugendpsychiaterin in leitender Funktion sowohl in Klinik als auch in der Forschung tätig war. Die akademische Nachwuchsförderung ist neben der Klinischen Versorgung eines ihrer wichtigsten Ziele und eine Herzensangelegenheit.

Obwohl Zwangsstörungen schon im Kindes- und Jugendalter zu den häufigsten psychischen Störungen gehören, werden sie oftmals erst sehr spät erkannt. Viel zu häufig kann es daher viele Jahre dauern, bis die Betroffenen professionelle Hilfe aufsuchen. Die Studienlage zeigt deutlich, dass der frühe Behandlungsbeginn einer der wichtigsten positiven prognostischen Faktoren für den unmittelbaren Behandlungserfolg, aber auch für den gesamten Verlauf ist. Leider werden evidenzbasierten Methoden oftmals zu spät und leider bei bis zu 50% der Betroffenen in den ersten Jahren nicht eingesetzt. Die vorliegende S3 Leitlinie soll die Evidenz zu Diagnostik und Therapie von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter anwendergerecht zusammenfassen und dazu beitragen, die Diagnostik und Behandlung von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter nachhaltig zu verbessern. Bei dem Vortrag werden wir neben den wichtigsten klinischen Aspekten der Leitlinie im Besonderen auf die Neuerungen eingehen, wie technikunterstützte Verfahren, Intensivbehandlung oder auch zur Frage der medikamentösen Augmentation Stellung nehmen. Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion und auch über Ideen wie wir die Leitlinie weiter verankern können.

Mittwoch, 8. Dezember 2021
Prof. Dr. Anja Görtz-Dorten – Störungen des Sozialverhaltens

Prof. Dr. Anja Görtz-Dorten leitet gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Christopher Hautmann den Bereich Evaluation im AKiP und ist zudem Leiterin der Forschungsambulanz. Gegenwärtig leitet sie mehrere Forschungsprojekte zur Therapie von Kindern mit aggressiven Verhaltensstörungen und affektiven Dysregulationen. Hinzu kommt ein multizentrisches Projekt zu transdiagnostischen psychischen Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen sowie psychosozialen Risikofaktoren (TRADIA), an dem mehrere Forschungsverbünde aus dem BMBF-Förderschwerpunkt zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen teilnehmen.

Bei den oppositionell-aggressiven Verhaltensstörungen haben sich in den letzten Jahren konzeptionelle Veränderungen durchgesetzt, die auch in die Klassifikationssysteme von ICD-11 und DSM-5 eingegangen sind. Kognitiv-behaviorale Ansätze zählen laut neueren empirischen Studien und Metaanalysen zu den wirksamsten und am besten evaluierten Therapieverfahren bei Störungen des Sozialverhaltens. Modular aufgebaute Therapieprogramme sind entwickelt worden. Randomisierte Kontrollgruppenstudien weisen deren Wirksamkeit nicht nur im Vergleich zu nicht behandelten Kontrollgruppen, sondern auch im Vergleich zu alternativen Interventionen nach. Der Einsatz von digitalen Technologien zur Unterstützung von Therapie steht erst am Anfang; er kann jedoch möglicherweise die Attraktivität der Therapieformen und die Generalisierung von Therapieeffekten unterstützen. Ebenfalls am Anfang steht die Überprüfung der Wirksamkeit der Interventionen in der klinischen Routineversorgung. Einblicke in die praktische therapeutische Umsetzung sowohl von einzelnen Interventionsmodulen und von digitalen Anwendungen werden gegeben. Die evidenz- und konsensbasierten S3-Leitlinien zur Diagnose und Therapie von Störungen des Sozialverhaltens unterstützen die aufgezeigten Entwicklungen. Allerdings stehen Strategien zur Unterstützung der Implementierung dieser Leitlinien und zur Überprüfung ihrer Effekte in der Routineversorgung noch aus. Die Weiterentwicklung der Leitlinie soll als „Living Guideline“ mit jährlicher Prüfung und Fortschreibung erfolgen.