XXXVII. DGKJP Kongress 2022

DGKJP virtuell | Fort- und Weiterbildungsreihe 2021

DGKJP virtuell | Fort- und Weiterbildungsreihe

Die Pandemie hat uns alle auf unterschiedliche Art herausgefordert und wird uns auch zukünftig beschäftigen. Die immensen, auch positiven, Veränderungen in Bezug auf Online-Veranstaltungen möchten auch wir als DGKJP nutzen. Wenngleich Online-Veranstaltungen nicht in jedem Fall Ersatz für Veranstaltungen in Präsenz sind, wie z.B. Kongresse, so bieten sie doch die Möglichkeit, breit Interessierte anzusprechen. Die DGKJP bietet deshalb eine online-basierte Fort- und Weiterbildungsveranstaltungsreihe an, in der aktuelle Informationen zu häufigen Krankheitsbildern sowie wichtigen Gesetzen vermittelt werden. 

Sie haben die Gelegenheit, ausgewiesenen Expert*innen zu lauschen und mit ihnen online zu diskutieren. Die DGKJP möchte damit wissenschaftliche Fortbildungsveranstaltungen auf hohem Niveau einem breiten Publikum zugänglich machen, und damit auch in Kongress-freien Zeiten aktuelle Angebote der Fort- und Weiterbildung für die Mitglieder verfügbar machen.

Sie sind herzlich eingeladen, an der Fort- und Weiterbildungsreihe „DGKJP Virtuell“ teilzunehmen und mit unseren Expert*innen zu diskutieren. Die Teilnahme ist kostenfrei und richtet sich an Mitglieder sowie alle am Fachgebiet Interessierten. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

DGKJP virtuell | Störungen des Sozialverhaltens mit Prof. Dr. Anja Görtz-Dorten

Mittwoch, 8. Dezember 2021, 15:00 -16:30 Uhr
Prof. Dr. Anja Görtz-Dorten – Störungen des Sozialverhaltens

Prof. Dr. Anja Görtz-Dorten leitet gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Christopher Hautmann den Bereich Evaluation im AKiP und ist zudem Leiterin der Forschungsambulanz. Gegenwärtig leitet sie mehrere Forschungsprojekte zur Therapie von Kindern mit aggressiven Verhaltensstörungen und affektiven Dysregulationen. Hinzu kommt ein multizentrisches Projekt zu transdiagnostischen psychischen Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen sowie psychosozialen Risikofaktoren (TRADIA), an dem mehrere Forschungsverbünde aus dem BMBF-Förderschwerpunkt zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen teilnehmen.

Bei den oppositionell-aggressiven Verhaltensstörungen haben sich in den letzten Jahren konzeptionelle Veränderungen durchgesetzt, die auch in die Klassifikationssysteme von ICD-11 und DSM-5 eingegangen sind. Kognitiv-behaviorale Ansätze zählen laut neueren empirischen Studien und Metaanalysen zu den wirksamsten und am besten evaluierten Therapieverfahren bei Störungen des Sozialverhaltens. Modular aufgebaute Therapieprogramme sind entwickelt worden. Randomisierte Kontrollgruppenstudien weisen deren Wirksamkeit nicht nur im Vergleich zu nicht behandelten Kontrollgruppen, sondern auch im Vergleich zu alternativen Interventionen nach. Der Einsatz von digitalen Technologien zur Unterstützung von Therapie steht erst am Anfang; er kann jedoch möglicherweise die Attraktivität der Therapieformen und die Generalisierung von Therapieeffekten unterstützen. Ebenfalls am Anfang steht die Überprüfung der Wirksamkeit der Interventionen in der klinischen Routineversorgung. Einblicke in die praktische therapeutische Umsetzung sowohl von einzelnen Interventionsmodulen und von digitalen Anwendungen werden gegeben. Die evidenz- und konsensbasierten S3-Leitlinien zur Diagnose und Therapie von Störungen des Sozialverhaltens unterstützen die aufgezeigten Entwicklungen. Allerdings stehen Strategien zur Unterstützung der Implementierung dieser Leitlinien und zur Überprüfung ihrer Effekte in der Routineversorgung noch aus. Die Weiterentwicklung der Leitlinie soll als „Living Guideline“ mit jährlicher Prüfung und Fortschreibung erfolgen. 

Haben Sie eine Frage?

Wichtiger Bestandteil der virtuellen Fort- und Veranstaltungsreihe sind die Fragen und Diskussionsbeiträge der Zuschauer*innen. Stellen Sie bereits jetzt Ihre Frage(n) an Prof. Dr. Görtz-Dorten zum Thema "Störungen des Sozialverhaltens". Das Q&A Modul wird auch während der Live-Veranstaltung zur Verfügung stehen. 

Zukünftige Online-Veranstaltungen
 

Neuer Termin: TBA

Lydia Schönecker (SOCLES Inklusion, Erziehung & Teilhabe) – Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen (Bundesteilhabegesetz - BTHG)

Lydia Schönecker ist seit April 2018 Leiterin von SOCLES Inklusion, Erziehung & Teilhabe. Seit jeher liegt ihr die Verbesserung der Lebenssituation gesellschaftlich benachteiligter junger Menschen und ihrer Familien am Herzen. Zuletzt war sie zwölf Jahre Referentin im Arbeitsbereich Rechtsberatung/Rechtspolitik/Forschung des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DIJuF) tätig. Als Expertin des Kinder- und Jugendhilferechts entwickelte sie sich zur „Allrounderin“. Seit 2011 zählen Rechtsfragen im Kontext junger Menschen und Eltern mit Behinderungen zu ihren Spezialgebieten.

Die Realisierung von Hilfen für Kinder und Jugendliche mit (seelischen) Behinderungen ist stark von den rechtlichen Komplexitäten des Teilhaberechts beeinflusst, welches durch die große Reform des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) seit 2018 nochmals zentrale verfahrensrechtliche Änderungen und Fokussierungen erfahren hat. Vom Verhältnis von Diagnostik und behördlicher Hilfeentscheidung, über Entscheidungsfristen und Gestaltungsvorgaben für Hilfe- und Teilhabeplanungen bis hin zu Hilfeoptionen in Form sog. persönlicher Budgets, wird der Vortrag einen systematischen Überblick über die in diesem Kontext relevanten Regelungen geben. Im Ausblick nimmt er zudem Bezug auf das kürzlich in Kraft getretene Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG), das bereits jetzt einige Verbesserungen für die Teilhabe von jungen Menschen mit Behinderungen auf den Weg gebracht hat und verbindlich bis 2028 die Aufgabe zur Gestaltung der Gesamtzuständigkeit der Jugendämter vorgibt. Nach dem Vortrag wird es Gelegenheit für Rückfragen an die Referentin geben.

Vergangene Online-Veranstaltungen

Mittwoch, 30. Juni 2021
Prof. Dr. Marcel Romanos – Angststörungen 

Prof. Dr. Marcel Romanos ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg. 

Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes-, Jugend-, sowie Erwachsenenalter. Der Beginn liegt typischerweise im Kindes- und Jugendalter. Die Ausprägung reicht von isolierten phobischen Störungen bis hin zu schweren chronifizierten Formen, die oftmals mit ausgeprägter Komorbidität assoziiert sind. Oftmals vergehen Jahre vom Auftreten erster Symptome bis hin zur Diagnoseerstellung und Therapieinitiierung. Obgleich hoch wirksame Behandlungsoptionen bestehen, verursachen Angststörungen erhebliche psychosoziale und kognitive Folgestörungen sowie direkte und indirekte sozio-ökonomische Kosten. In der DGKJP-Fortbildungsveranstaltung wird der aktuelle Wissensstand zu Ursachen, Verlauf und Therapie von Angststörungen dargestellt. Auf die aktuellen Änderungen im ICD-11 wird eingegangen.

Mittwoch, 8. September 2021
Prof. Dr. Christine M. Freitag – S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter

Prof. Dr. Christine M. Freitag ist Expertin für die Diagnostik und Behandlung von Neuroentwicklungsstörungen (ASS, ADHS, Sprache) sowie Störungen des Sozialverhaltens und Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort ist auch ein Autismus-Therapie- und Forschungszentrum angesiedelt, an dem Diagnostik, Therapie und translationale, klinische Forschung für Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störungen angeboten wird.

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zeigen eine Lebenszeitprävalenz von ca. 1% und gehen mit zahlreichen weiteren psychischen und somatischen Erkrankungen einher. Wesentlich hinsichtlich der Förderung, des Verlaufs sowie der Lebensqualität von Familien und ihren Kindern mit ASS sind eine frühzeitige Diagnose, die indizierte Diagnostik weiterer komorbider psychischer und somatischer Störungen über die Lebensspanne sowie eine gute Interventionsplanung und –umsetzung. Der Vortrag geht deshalb neben einer Einführung in die Diagnostik insbesondere auf die evidenzbasierte Therapie der Kernsymptomatik sowie ausgewählter zusätzlicher Therapieziele (Sprache, komorbide psychische Störungen) ein. Zur individuellen Vorbereitung ist ein Blick in die zugehörigen AWMF-S3-Leitlinien (Teil 1: Diagnostik; Teil 2: Therapie) zu empfehlen, die auf der Homepage der AWMF heruntergeladen werden können.

Mittwoch, 10. November 2021
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza – S3-Leitlinie Zwangsstörungen

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Susanne Walitza ist Lehrstuhlinhaberin und Ärztliche Direktorin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Zürich (KJPD). Die Kinder- und Jugendpsychiaterin und Psychologin war zuvor an der Universitätsklinik Würzburg, wo sie nach Ihrer Spezialisierung als Kinder- und Jugendpsychiaterin in leitender Funktion sowohl in Klinik als auch in der Forschung tätig war. Die akademische Nachwuchsförderung ist neben der Klinischen Versorgung eines ihrer wichtigsten Ziele und eine Herzensangelegenheit.

Obwohl Zwangsstörungen schon im Kindes- und Jugendalter zu den häufigsten psychischen Störungen gehören, werden sie oftmals erst sehr spät erkannt. Viel zu häufig kann es daher viele Jahre dauern, bis die Betroffenen professionelle Hilfe aufsuchen. Die Studienlage zeigt deutlich, dass der frühe Behandlungsbeginn einer der wichtigsten positiven prognostischen Faktoren für den unmittelbaren Behandlungserfolg, aber auch für den gesamten Verlauf ist. Leider werden evidenzbasierten Methoden oftmals zu spät und leider bei bis zu 50% der Betroffenen in den ersten Jahren nicht eingesetzt. Die vorliegende S3 Leitlinie soll die Evidenz zu Diagnostik und Therapie von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter anwendergerecht zusammenfassen und dazu beitragen, die Diagnostik und Behandlung von Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter nachhaltig zu verbessern. Bei dem Vortrag werden wir neben den wichtigsten klinischen Aspekten der Leitlinie im Besonderen auf die Neuerungen eingehen, wie technikunterstützte Verfahren, Intensivbehandlung oder auch zur Frage der medikamentösen Augmentation Stellung nehmen. Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion und auch über Ideen wie wir die Leitlinie weiter verankern können.